Germany / Deutschland

Berlin

Manfred Zimmermann, Vors. des Landesverbandes Berlin

I. Philosophieunterricht ist in Berlin ein Wahlfach der gymnasialen Oberstufe, das in einigen Schulen angeboten wird.

Es wurde in den 80er Jahren eingerichtet und ist kein Ersatzfach für Religion, da Religion in Berlin kein staatliches Unterrichtsfach ist.

Das Fach Ethik gibt es in Berlin nur an 33 Schulen der Sekundarstufe I als Schulversuch. Es wird überlegt, Ethik als verbindliches zweistündiges Unterrichtsfach in der Sekundarstufe I der gesamten Berliner Schule einzuführen.

II. Für den Philosophieunterricht ist gerade ein neuer Rahmenlehrplan in Kraft gesetzt worden. Außerdem befindet sich gerade ein Entwurf für ein gemeinsames Kerncurriculum mit Mecklenburg-Vorpommern in der öffentlichen Diskussion.

Die neuen Rahmenlehrpläne sind in Berlin kompetenzorientiert, sie beschreiben Eingangs- und Ausgangsstandards für die gymnasiale Oberstufe, verlangen eine Vielfalt an Methoden und geben nur wenige inhaltliche Vorgaben (Verpflichtend sind 4 Reflexionsdimensionen: RD 1 Ethisch-praktischer Reflexionsdimension, RD 2 Geschichtliche, gesellschaftliche und anthropologische Reflexionsdimension, RD 4 Metaphysische Reflexionsdimension Außerdem wird von einem erweiterten Textbegriff ausgegangen, so dass auch Bilder, Gegenstände, Filme, Karikaturen usw. Material im Philosophieunterricht sein sollen.

Da die Kompetenzorientierung eine Schülerorientierung des Unterrichts verlangt, sollen die Schüler bei der Auswahl von Unterrichtsgegenständen mitbestimmen.

Der Philosophieunterricht ist von seinem Selbstverständnis her bereits fächerübergreifend.

Inwieweit es zu fachübergreifender Zusammenarbeit kommt, hängt von den Projekten und Gegebenheiten der einzelnen Schulen ab. Für das Fach Ethik gibt es zur Zeit eine Rahmenplankommission, die einen ähnlich ausgerichteten Rahmenplan Ethik erarbeitet.

III. Alle Lehrer müssen das Staatsexamen in Philosophie haben.

Da Philosophie in Berlin nur als Zweitfach gewählt werden kann, sind 6 Studiensemester erforderlich.

An das 1. Staatsexamen schließt - wie bei allen Unterrichtsfächern - ein zweijähriges Referendariat als praktische Ausbildung an.

Fortbildungskurse werden (vor allem im Hinblick auf die neuen Lehrpläne) angeboten.

Für das Fach Ethik gibt es weder einen Studiengang noch eine unterrichtspraktische Ausbildung.

Geplant sind Weiterbildungsveranstaltungen, um möglichst vielen Lehrern die Lehrbefähigung vor der Einrichtung des Faches Ethik zu vermitteln.

IV Bisher nimmt Berlin kaum an philosophischen Wettbewerben teil.

Der Fachverband Philosophie organisiert etwa ein Viertel der Philosophielehrer und bemüht sich vor allem um Fortbildung und Erfahrungsaustausch.

 

Nordrhein-Westfalen

Dr. Bernd Rolf, Kevelaer, Vorsitzender des Bundes-Fachverbandes Philosophie

I. Das Schulfach Philosophie hat in NRW eine Tradition, die bis auf das Jahr 1946 zurückgeht. Seit der Oberstufenreform von 1972 ist Philosophie an der gymnasialen Oberstufe (Gymnasien, Gesamtschulen) Wahlpflichtfach im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld.

Die Oberstufe umfasst die Jahrgangsstufen 11-13 (Alter der Schülerinnen: ca. 17-19/20 Jahre).

Es ist zu erwarten, dass im Rahmen der Verkürzung der Gymnasialzeit die Oberstufe demnächst die Klassen 10-12 umfassen wird.

Philosophie wird als 3-stündiger Grundkurs oder (eher selten) als 5-stündiger Leistungskurs angeboten und kann als mündliches und schriftliches Abiturfach gewählt werden. Außerdem ist es „Ersatzfach“ für Religion, d.h. die Schülerinnen und Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, belegen Philosophie. Die Pflicht zur Belegung des Faches endet in diesem Fall mit der Jahrgangsstufe 12.

In der Sekundarstufe I (Klassen 5-10) gibt es seit dem Schuljahr 2003/04 das Fach Praktische Philosophie als „Ersatzfach“ für Religion in allen Schulformen (Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium, Berufskolleg). Es soll zunächst flächendeckend für die Klassen 9-10 eingerichtet werden, wird aber teilweise schon in den Klassen 5-8 angeboten.

II. Für Praktische Philosophie ist das Kerncurriculum von 1997 verbindlich, für Philosophie der Lehrplan von 1999, zusätzlich existieren für die Jahrgangsstufen 12/13 Vorgaben für das Zentralabitur (erstmals 2007). Es ist zu erwarten, dass beide Lehrpläne in der nächsten Zeit im Zuge der Verkürzung der Gymnasialzeit von 9 auf 8 Jahre überarbeitet werden.

Das Fach Praktische Philosophie ist hauptsächlich durch 7 Fragenkreise bestimmt:

1. Die Frage nach dem Selbst,

2. Die Frage nach dem Anderen,

3. Die Frage nach dem guten Handeln,

4. Die Frage nach Recht, Staat und Wirtschaft,

5. Die Frage nach Natur und Technik,

6. Die Frage nach Wahrheit, Wirklichkeit und Medien,

7. Die Frage nach Ursprung, Zukunft und Sinn.

Innerhalb dieser Fragenkreise werden konkretere Themen vorgeschlagen, z.B. für den Fragenkreis 1: Identität, Freiheit und Unfreiheit, Gefühl und Verstand, Leib und Seele, Geschlechtlichkeit.

Für den Philosophieunterricht ergeben sich auf Grund der Vorgaben für das Zentralabitur folgende Rahmenthemen (für jeweils ein Schulhalbjahr):

11/1: Einführung in die Philosophie,

11/2: Probleme der Bestimmung des Menschen (Philosophische Anthropologie),

12/1: Probleme des menschlichen Handels (Ethik),

12/2: Probleme von Politik, Recht, Staat und Gesellschaft (Rechts- und Staatsphilosophie),

13/1 und 13/2: Problem des Denkens, Erkennens und der Wissenschaft (Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie).

Die europäische Wertegemeinschaft ist nicht ausdrücklich Unterrichtsgegenstand, jedoch haben der Ursprung des europäischen Denkens in der griechischen und römischen Antike, die Orientierung am Logos, Recht, Demokratie etc. eine starke Stellung innerhalb der Lehrpläne.

Als Methoden der Praktischen Philosophie wird im Kerncurriculum ein breites Spektrum benannt: Philosophisches Gespräch, Interpretation philosophischer Texte, Produktion eigener Texte, Durchführung von Gedankenexperimenten, Lernen an Dilemmageschichten, Simulation und Rollenspiel, Umgang mit audiovisuellen Medien, Kreatives Gestalten, Realbegegnung und Projektlernen.

Die beiden Grundformen des Philosophieunterrichts sind laut Lehrplan der textgebundene Unterricht und die freie Problem- und Sacherörterung. Als besondere Methoden werden das sokratisches Gespräch, das Streitgespräch, der Diskurs, die philosophische Disputation, der philosophische Essay, der argumentative Text aus einer bestimmten Perspektive, die literarische Darstellung philosophischer Probleme hervorgehoben. Zunehmend halten auch Methoden der Praktischen Philosophie Einzug in die Oberstufe. Da es für den textgebundenen Unterricht keine kanonische Festlegung auf bestimmte Texte gibt, beteiligen viele Lehrerinnen und Lehrer die Schüler an der Auswahl der Texte, um deren Identifikation und Motivation zu erhöhen. Fächerverbindender Unterricht ist ein erklärtes Ziel an der gymnasialen Oberstufe, aber in der Praxis wegen der inhomogenen Schülergruppen des Kurssystems praktisch schwer zu realisieren.

III. Die Ausbildung der Philosophielehrerinnen/lehrer umfasst ein mindestens 8-semestriges Studium an einer Universität und ein 2-jähriges Referendariat an einem Studienseminar. Zur Qualifikation von Lehrerinnen und Lehrer der Praktischen Philosophie werden für ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer Qualifikationskurse mit dem Ziel des Erwerbs einer Unterrichtserlaubnis angeboten (ein halbes Jahr für Philosophielehrer/innen, ein Jahr für Lehrer/innen mit anderen Fächern).

Von 2001 bis 2005 gab es an vier Universitäten 2-jährige Studienkurse in Praktischer Philosophie mit dem Ziel des Erwerbs einer zusätzlichen Fakultas. Inzwischen ist das Studienfach Philosophie für das Lehramt durch das Studienfach Philosophie/Praktische Philosophie abgelöst. An den Studienseminaren werden die Referendare für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen für das Fach Philosophie/Praktische Philosophie ausgebildet. Die Bezirksregierungen bieten jeweils regelmäßig eintägige Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer an; auch das Institut für Lehrerfortbildung Mülheim engagiert sich sehr stark in den Fächern Philosophie und Praktische Philosophie.

IV. Jährlich schreiben die fünf Bezirksregierungen einen Essay-Wettbewerb für Schüler/innen der Philosophie aus. Die Verfasser der besten Essays werden zu einer Philosophischen Winterakademie eingeladen, aus deren Kreis die Teilnehmerin/der Teilnehmer an der Internationalen Philosophie-Olympiade ausgewählt wird.

Ca. 400 Lehrerinnen und Lehrer sind im Fachverband Philosophie NRW (Vorsitzender: Klaus Draken, Wuppertal) organisiert, der mit anderen Landesverbänden zusammen in einem Bundesverband (Vorsitzender: Dr. Bernd Rolf, Kevelaer) organisiert ist. Zu den Aufgaben des Fachverbandes gehört es, die Philosophie als Unterrichtsfach zu fördern und zu festigen, den die staatlichen Institutionen bei der Lehrplanentwicklung und der Entwicklung von Studien- und Prüfungsordnungen zu beraten, zum Erfahrungsaustausch zwischen den Philosophielehrerinnen und -lehrern beizutragen und ihre Fort- und Weiterbildung sowie den Erfahrungsaustausch auf internationaler Ebene zu unterstützen.

 

Rheinland - Pfalz

Dr. Silke M. Kledzik, Koblenz, Fachverband Rheinland-Pfalz

Philosophie

Vorbemerkung

Die Mainzer Studienstufe (MSS) ist in drei Aufgabenfelder gegliedert: das sprachlich-literarisch-künstlerische Aufgabenfeld (Deutsch, Fremdsprachen und Künstlerische Fächer) das gesellschaftswissenschaftliche Aufgabenfeld (Gemeinschaftskunde) das mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Aufgabenfeld (Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik)

Die Fächer Philosophie und Ethikunterricht sind wie Religionslehre und Sport keinem Aufgabenfeld zugeordnet. 

Die MSS ist seit dem Schuljahr 1999/2000 verkürzt, d.h. die Abiturprüfung ist vorgezogen, das 13. Schuljahr und damit die gymnasiale Schulzeit endet jeweils am 31. März. Philosophieunterricht wird nur in der MSS, d.h. an Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen in den Jahrgangsstufen 11-13 unterrichtet. Da kein Gymnasium und keine Integrierte Gesamtschule verpflichtet ist, das Fach anzubieten, wird Philosophieunterricht nur an einigen Schulen erteilt. Arbeitsgemeinschaften sind sowohl in der Sekundarstufe I (z.B. 9./10. Klasse) wie in der Sekundarstufe II möglich.

Essay-Wettbewerbe wurden in Rheinland-Pfalz bisher nicht durchgeführt.

Das Fach Philosophie wird als in der Regel dreistündiger Grundkurs angeboten; es kann, je nach Fächerkombination, als Pflichtfach innerhalb der Pflichtstundenzahl oder als zusätzliches, frei gewähltes Fach über die Pflichtstundenzahl hinaus gewählt werden. Die Schüler/innen können es als mündliches Abiturfach wählen, sofern die drei Aufgabenfelder durch die anderen Prüfungsfächer abgedeckt sind.

Der Lehrplan von 1983 wurde 1998 durch einen vollständig überarbeiteten und neu gestalteten Lehrplan ersetzt. Derzeit erarbeitet eine zu Beginn des Jahres 2005 eingesetzte Kommission einen Lehrplan für ein Leistungsfach Philosophie.

Der (verbindliche) Lehrplan für das Grundfach Philosophie gliedert sich thematisch in einen Pflicht- und einen Wahlpflichtbereich. Zum ersteren, dem Fundamentum, gehören z.B. „Grundfragen der philosophischen Anthropologie, der Philosophie der Natur, der Philosophie der Erkenntnis, der Logik“, zum letzteren, dem Additum, gehören u.a. Kulturphilosophie, Sprachphilosophie, Religionsphilosophie. Ergänzt wird das Fundamentum durch den Themenbereich „Methodologie“, begleitend zu allen Themenbereichen.

Textarbeit und freies Unterrichtsgespräch bilden die beiden Pfeiler der Gestaltung des Philosophieunterrichts, wobei insbes. bei letzterem der Einsatz visueller und anderer Unterrichtsmedien möglich und wünschenswert ist. Der Lehrplan ist so angelegt, dass zum einen der /die Unterrichtende gemeinsam mit den Jugendlichen thematische und unterrichtsmethodische Schwerpunkte setzen kann und dass zum anderen fächerübergreifendes und fächerverbindendes Lehren und Lernen gefördert wird.

In Rheinland-Pfalz kann derzeit in einem 8-semestrigen Studiengang für das Lehramt an Gymnasium (z.B. Trier, Mainz) mit Abschluss des 1. Staatsexamens und der sich anschließenden Referendarausbildung (18 Monate) mit dem 2. Staatsexamen die Quali-fikation als Philosophielehrer/in erworben werden. Das Angebot an Fortbildungskursen ist z.Zt. insgesamt sehr gering.

Ethik

Ethikunterricht wird als zweistündiges Alternativfach zur Religionslehre angeboten, und zwar in allen Schulformen. Ethiklehrpläne wurden 1983/85/86 erlassen; überarbeitet wurde der Lehrplan Ethik für die Sekundarstufe I (2001), der Lehrplan Ethik für die Sekundarstufe II gilt seit 1983; eine Überarbeitung steht noch aus.

Der Lehrplan Ethik für die Sekundarstufe I gilt für die Klassen 5 - 9/10 für Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Regionale Schule und Gesamtschule, der Lehrplan Ethik für die Sekundarstufe II gilt für die MSS (Jahrgangsstufen 11-13) für Gymnasium und Integrierte Gesamtschule.

Die Lehrpläne sind verbindlich, lassen aber den Lehrenden Spielraum für thematische Schwerpunktsetzungen und die methodische Gestaltung der zu behandelnden Fragen.

Ausgehend von den Erfahrungen und der Alltagswelt der Kinder und Jugendlichen (lebensweltlicher Ansatz) werden ethische Probleme aus allen relevanten Erfahrungsfeldern z.T. wiederholt, d.h. in verschiedenen Klassenstufen, thematisiert: Natur und Umwelt (z.B. Energie, Wasser); Individuum und Gesellschaft (z.B. Selbstfindung, Sucht und Abhängigkeit, Multikulturelle Gesellschaft); Weltgesellschaft (z.B. Leben in der Einen Welt; Wirklichkeiten und Wahrnehmung).

Der Ethikunterricht arbeitet, dem Alter der Schüler/innen entsprechend, mit einer Vielzahl von Unterichtsmedien: Texten, Bildern, usw.; fächerübergreifender und fächerverbindender Unterricht ist Bestandteil der Lehrpläne.

In der Sekundarstufe II wird Ethikunterricht als 2stündiger Grundkurs unterrichtet und kann, wie Religionslehre, mündliches Prüfungsfach sein, sofern die drei Aufgabenfelder durch die anderen Prüfungsfächer abgedeckt sind. Die Unterrichtsbefähigung für das Schulfach Ethik wird erworben durch eine Weiterbildung zum Ethiklehrer, d.h. in speziellen Weiterbildungskursen kann sich jeder, der ein 1. und 2. Staatsexamen für die Lehrbefähigung (Mathematik, Religion, Erdkunde, Geschichte usw.) erworben hat, zum Ethiklehrer ausbilden lassen.

 

Sachsen-Anhalt

Dr. Rainer Bartholomai, Vorsitzender des Fachverbandes Philosophie Sachsen-Anhalt

I. Das Fach Philosophie, das seit 1991 am Gymnasium unterrichtet werden kann, wird über die letzten vier Schuljahrgänge bis zum Abitur als zweistündiges Wahlpflichtfach angeboten, d.h. von der Klassenstufe 9 bis 12/13. Diese Stellung wird das Fach auch weiterhin haben, da es als Alternativfach zum Religionsunterricht nicht in Frage kommt, weil diese Stellung der zunehmend eingerichtete, aber immer noch nicht flächendeckend angebotene Ethikunterricht einnimmt.

In der Praxis ist die Situation des Faches etwas komplizierter, da bis zum Schuljahr 2006/07 die Umstellung von 13 auf 12 Schuljahre bis zum Abitur erfolgt. Dadurch konnte Philosophie im Schuljahr 2004/05 bereits im Schuljahrgang 9 begonnen werden, weil dieser der erste ist, der das Abitur nach 12 Schuljahren ablegen wird. Das Fach Philosophie wird ausschließlich als Wahlpflichtfach angeboten, hat dabei aber den Status eines möglichen mündlichen Abiturfachs und wird als solches auch seit 1996 an einigen Gymnasien geprüft. Eine Besonderheit ist hierbei, dass es ebenfalls seit 1996 eigene Landes-EPA (einheitliche. Prüfungsanforderungen) für Philosophie gibt.

II. Inzwischen sind die nunmehr dritten Rahmenrichtlinien im August 2003 erschienen, die konzeptionell und inhaltlich eine sehr weit gehende Neuorientierung des Fachs bedeuten und besonders durch eine Reduzierung und Präzisierung der Lernziele als Grundlage zur Formulierung von den aktuell zunehmend nachgefragten Standards des Faches Philosophie dienen können, weshalb sie speziell in dieser Hinsicht über die Landesgrenzen hinaus positive Reaktionen ausgelöst haben.

Die Inhalte sind jeweils den Halbjahresthemen zugeordnet, wobei ein fakultatives Additum in den Schuljahrgängen 10 bis 12 die insgesamt angestrebte Vernetzung der Inhalte verbessern soll. Von 9 bis 12 werden folgende Themen behandelt: Zeit, Wahrheit; Die Seele des Menschen, Die Ergründung des Kosmos, Additum: Freiheit; Bewusstsein und Erkenntnis, Ordnung des Zusammenlebens, Additum: Aisthesis; Sprache und Bedeutung, Erlebnis und Konstrukt, Additum: Metaphysik.

Zwei Arbeitsformen sind den Rahmenrichtlinien gemäß für den Philosophieunterricht von besonderer Bedeutung: Bei der Textarbeit stehen genuin philosophische Texte im Mittelpunkt, die nach Klärung des Vorverständnisses interpretiert, kritisch geprüft und beurteilt werden. Dies geschieht entsprechend der Zielstellung im Unterricht vorwiegend als Text bezogene Erschließung einer Position oder als Problem bezogene Reflexion über einen philosophischen Sach verhalt.

Die textfreie Arbeit im freien oder Problem gebundenen Unterrichtsgespräch dient vorrangig der gedanklichen Klärung philosophischer Probleme sowie dem Beziehen eines eigenen Standpunktes dazu. Beide Arbeitsformen ergänzen sich wechselseitig, sie sollten jedoch methodisch klar voneinander getrennt werden. Die textfreie Arbeit empfiehlt sich besonders bei der gründlichen Hinführung zu Problemen oder Texten, als Einschub in eine Phase der Textarbeit oder als Arbeitsform nach der Texterschließung zur Erweiterung des Problem - horizonts.

Außer Texten können andere Medien zur Gestaltung des Unterrichts eingesetzt werden, die zur Motivation, Sachinformation oder Veranschaulichung geeignet sind. Selbstverständlich sind auch Text produzierende Arbeitsformen möglich und erwünscht.

Da Computer und Internet mit ihren Chancen und Risiken zum Teil explizit als Unterrichts - gegenstand behandelt werden, erfolgt ihr Einsatz im Philosophieunterricht nicht nur in Form ihrer technischen Nutzung, sondern vielmehr unter dem Aspekt, die Konsequenzen dieser Technik für das menschliche Selbst- und Weltverständnis zu bedenken. 

Da der Philosophieunterricht Inhalte und Methoden vermittelt, die grundlegenden Charakter im Bezug auf andere Fächer und Wissenschaften haben, kann durch ihn Fächer verbindendes und Fächer übergreifendes Lernen auf verschiedenen Ebenen erfolgen, die auch unter schiedliche Organisationsformen erfordern. Organisatorisch problemlos sind alle Formen Fächer verbindenden Lernens, die sich im Rahmen der Fachkurse realisieren lassen. Um übergreifende Themen behandeln zu können, die einen größeren zeitlichen Rahmen erfordern oder zu denen mehrere Fächer Beiträge liefern, ist es jedoch erforderlich, für den entsprechenden, begrenzten Zeitraum neue, an den Themen orientierte Lerngruppen zu bilden. Welche Organisations form die günstigste ist, muss anhand der speziellen Rahmenbedingungen an der einzelnen Schule entschieden werden.

III. Die vordringlichen Probleme, die das Fach Philosophie betreffen, werden hauptsächlich durch die äußerst knappe Haushaltslage des Landes bestimmt. Denn obwohl die Studentenzahlen enorm ansteigen und damit in absehbarer Zeit auch Referendare und Referendarinnen auszubilden sein werden, gibt es weder Fachseminare noch Fachbetreuer für Philosophie. Die Referendarausbildung wurde bisher einigen unterrichtenden Lehrkräften übertragen.

Die insgesamt angespannte Ausbildungssituation wird noch durch die geplante Konzentrationder Lehramtsstudiengänge an der Universität Halle-Wittenberg verschärft, weil sowohl dieser als auch der zweite Studienort Magdeburg bereits jetzt gewaltige personelle und organisatorische Probleme bei Bewältigung des Studentenandrangs haben. Im Augenblick vollzieht sich die komplette Umstellung der Lehrerausbildung auf BA und MA Studiengänge, wobei der Anteil der praktischen Ausbildung von Beginn des Studiums an gegeben sein soll, genauere Angaben zur Studiendauer und Qualifikation können im Augenblick nicht gemacht werden.

Die Fortbildungsangebote für das Fach Philosophie werden regelmäßig von den beiden Universitäten und meist Fächer übergreifend mit dem Fach Ethik angeboten.

IV. Seit der Gründung des Fachverbandes Philosophie im Januar 2000 hat sich dieser in der Bildungslandschaft Sachsen-Anhalts etabliert und wie das Fach Philosophie insgesamt eine positive Entwicklung genommen. Die Mitgliederzahl ist stabil bei 18, jedoch hat sich die Zahl der Gymnasien, an denen Philosophie angeboten werden kann, auf mittlerweile 21 erhöht. Bis Ende Oktober 2005 läuft der bundesweite Essay-Wettbewerb des Bundesfachverbandes Philosophie, an dem auch Sachsen-Anhalt teilnimmt. 

Ebenfalls verstärkt werden soll die Zusammenarbeit mit dem Fachverband Ethik, mit dem in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung eine mehrtägige Fortbildung im Sommer 2004 durchgeführt wurde.

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