Schweiz/ Suisse / Switzerland

Stand: Oktober 2000

I. Vorbemerkung:

In der Schweiz liegt die Schulhoheit bei den Kantonen. Daraus ergibt sich, dass keine allgemeinen Antworten für die ganze Schweiz möglich sind. Zudem ist das Gymnasialsystem so gestaltet, dass den einzelnen Schulen auch innerhalb eines Kantons relativ große Freiheiten gegeben sind. Damit wird die gesamte Situation für eine solche Fragestellung noch unübersichtlicher. Andererseits sind damit die einzelnen Schulen und Lehrpersonen auch herausgefordert und sie tragen eine große Verantwortung für die Qualität des Unterrichtes.

Philosophieunterricht gibt es in der Schweiz, so weit ich sehe, auf der Ebene des Gymnasiums, teilweise auch in den Vorbereitungsschulen zur Berufsmatura (Zugang zur Fachhochschule), Mit dem neuen Maturitätsreglement ist eine neue Situation entstanden. Bisher war das Fach Philosophie an einigen Schulen ein zusätzliches, 12. obligatorisches Maturitätsfach. Diese Situation besteht nur noch an wenigen Orten (Kanton Luzern).

Auf der andern Seite ermöglicht das neue Maturitätareglement den Schulen, Philosophie als Maturitätsfach einzuführen, das gewählt werden kann in Konkurrenz mit andern Fächern:

als Schwerpunktfach (ca. 10-15 % aller Lektionen der letzten vier Schuljahre): PPP (Philosophie, Pädagogik, Psychologie) [etwa 4 Lektionen während 4 Jahren] als Ergänzungsfach (ca. 5-10% aller Lektionen der letzten vier Schuljahre): Philosophie [etwa 3 Lektionen während 2 Jahren] (Man kann aber nicht zugleich das Schwerpunktfach und das Ergänzungsfach Philosophie belegen).

Bisher, so weit ich sehe, wird Ethikunterricht nur an Gymnasien. Erteilt dort, wo er erteilt wird, vom 7.- 12. Schuljahr (Beginn mit den 13 - jährigen) 1 - 2 Wochenstunden.

Seit es Gymnasien in der Schweiz gibt, wird an gewissen Schulen Philosophieunterricht erteilt. An gewissen Schulen. Das neue Maturitätsreglement ist seit 1995 in Kraft. Die ersten Maturitätsprüfungen fanden im Jahre 2000 statt. Spätestens im Jahre 2005 müssen alle Gymnasien nach dem neuen Reglement abschließen. Der Ethikunterricht als eigener Unterricht ist erst in den letzten Jahren allmählich eingeführt worden. Er trat häufig an die Stelle des Religionsunterrichts oder er ist alternativ zum Religionsunterricht wählbar.

Ist Philosophie obligatorisches Fach, Wahlfach, Wahlpflichtfach oder Ersatzfach für Religionsunterricht? Nur in wenigen Kantonen ist Philosophie obligatorisches Fach. Da viele Kantone erst jetzt ihr neues Modell approbierten lassen, ist die Situation nicht klar darzustellen. 

Philosophie ist jetzt an einigen Schulen sogenanntes Schwerpunktfach [an 27 von 134 Maturitätsschulen]; in vielen Schulen Ergänzungsfach [96 von 134] (siehe Vorbemerkung).

Ethik ist zumeist als Ersatzfach für Religionsunterricht eingeführt worden.

Wo Philosophie Pflichtfach, Schwerpunktfach oder Ergänzungsfach ist, wird es auch benotet, und demnach gibt es auch Prüfungen. Ihr Umfang und ihre Häufigkeit entspricht den andern Maturitätsfächern:

Zumeist sind es einstündige Prüfungen. Viele Schulen handhaben es so, dass die Anzahl der schriftlichen Prüfungen im Halbjahr der Lektionenzahl des Faches entsprechen muss.

Auch im Fach Ethik werden an den meisten Schulen Prüfungen in ähnlichem Rahmen geschrieben.

Wenn Philosophie Schwerpunktfach ist, muss sie Abiturfach sein. Es muss eine schriftliche Prüfung stattfinden und es kann dazu auch eine mündliche Prüfung vorgeschrieben sein.

Für das Ergänzungsfach gelten die Bestimmungen der einzelnen Kantone.

Ethik als Ersatzfach für Religion kann kein Maturitätsfach sein.

Philosophie und Ethik werden nicht alternativ angeboten.

7. Sicher gibt es an einzelnen Schulen zusätzliche freie Arbeitsgemeinschaften in Philosophie.

 

II. Es gibt einen Gesamtschweizerischen Rahmenlehrplan (Rahmenlehrplan für die Maturitätsschulen). Zu diesem Rahmenlehrplan haben die Kantone und die Schulen ihre Lehrpläne erstellt. Die Lehrpläne der Schulen müssen vom Kanton genehmigt werden.

Das Fach Ethik ist im Rahmenlehrplan noch nicht vorgesehen.

Im Rahmenlehrplan steht unter den Richtzielen:

Grunderkenntnisse:

- Mit grundlegenden philosophischen Begriffen und Unterscheidungen vertraut sein.

- Wichtige philosophische Fragestellungen, Lösungsvorschläge und Argumentations- weisen

kennen.

- Die Hauptgedanken großer Philosophen und bedeutender Strömungen sowie ihren

kulturgeschichtlichen Ort kennen.

Ethik

Im Rahmenlehrplan finden sich beim Fach „Philosophie“ u.a. folgende Grundhaltungen unter den Richtzielen:

· An eigenem und fremdes Denken den Anspruch der Genauigkeit und der intellektuellen Redlichkeit stellen.

· Bereit sein zum Dialog als Form der Wahrheitssuche und als Moment der Personwerdung, der als solcher unbedingte Ehrlichkeit und gegenseitige Achtung erfordert.

- Die eigene Denkarbeit als Bedingung persönlicher Freiheit, die öffentliche Diskussion als Bedingung politischer Freiheit begreifen und für beide Freiheiten einstehen.

· An Denk- und Verhaltenssysteme, Techniken und Sozialstrukturen den Anspruch stellen, dem Menschen angemessen und in bezug auf die Folgen verantwortbar zu sein.

Im Prinzip besteht für die Lehrpersonen in ihren Fächern Methodenfreiheit.

Fächerübergreifender Unterricht findet vor allem in Projektwochen statt, wie sie an den meisten Schulen durchgeführt werden.

Angesichts der Freiheit der einzelnen Lehrpersonen ist die Frage nach der Thematisierung von Europa als Wertegemeinschaft oder geistiger Einheit so nicht zu beantworten. Aber im Hinblick auf die philosophische Tradition, mit der sich der Philosophieunterricht beschäftigt, ist diese ,,Einheit“ unweigerlich präsent.

Das gilt ebenso für den Ethikunterricht.

III. Der Philosophieunterricht von fachlich qualifizierten Lehrern durchgeführt, zumeist von ausgebildeten Philosophielehrkräften, zum Teil auch von Deutschlehrern.

Der Ethikunterricht wird von Philosophie- oder Religionslehrern erteilt.

Bedingungen für die Qualifikation zum Philosophielehrer am Gymnasium sind Abschluss eines akademischen Studiums und Diplom für das Höhere Lehramt.

Für Ethik gilt das Gleiche.

Es gibt keine verschiedenen Qualifikationsgrade in der Ausbildung zum Philosophie- oder Ethiklehrer. Das Studium der Philosophie für das Lehramt dauert 5-10 Semester plus 2 Semester für das Höhere Lehramt (kann parallel belegt werden).

Für das Studium der Ethik gilt das Gleiche.

Es gibt eine praktische Ausbildung für angehende Philosophielehrer, und zwar die Vorbereitung auf das Diplom zum Höheren Lehramt, Dauer: 2 Semester.

Die praktische Ausbildung der Ethiklehrer erfolgt zusammen mit den Philosophielehrern.

Ja, im gesamtschweizerischen Rahmen (Weiterbildungszentrale) und teilweise auch in den Kantonen Werden für Philosophielehrer, die aktiv im Dienst stehen, von Zeit zu Zeit Fortbildungskurse zur Didaktik und Methodik des Philosophieunterrichts angeboten, Ethiklehrern bisher nur in Kantonen.

IV. Im Philosophieunterricht wird sich in den nächsten Jahren zeigen, wie viele Schulen von der Möglichkeit profitiert haben, Philosophie als Schwerpunkt- oder Ergänzungsfach einzuführen und in welchem Masse die Schüler von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Es ist eine grosse Chance für die Philosophie, aber es sieht so aus, dass man an verschiedenen Orten auch von den Kantonen und Schule her nicht bereit ist, diese Chance wahrzunehmen.

Im Ethikunterricht zeichnet sich im Moment ein Wandel ab. In immer mehr Kantonen wird die Möglichkeit nun eingeführt, Ethik als Ersatzfach für den Religionsunterricht zu wählen. Die Entwicklung ist noch sehr jung, an vielen Orten beginnt sie erst gerade. 

Zu Reformen in den letzten 20 Jahren vgl. Vorbemerkung

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