Austria / Österreich

DDr. Erich Moll, Universität Innsbruck

Ernst Lentsch, Wien

I. Philosophie wird in den Gymnasien (AHS) in der 8. Klasse mit zwei Wochenstunden unterrichtet, während der Unterricht in Psychologie bereits in der 7. Klasse ebenfalls mit zwei Wochenstunden erteilt wird. Das Alter der Schüler beträgt 17 bzw. 18 Jahre.

Ethik wird in allen Schulformen unterrichtet, wenn Ethik als Ersatz für Religionsunterricht beschlossen wurde, und zwar ab der 5.Klasse AHS bzw. 1. Klasse BHS.

Die Zahl der Wochenstunden beträgt zwei bzw.1 Stunde je nach dem Unterrichtsangebot für Religion. Das Alter der Schüler ist 15 Jahre.

Philosophie kann nur mündliches Abiturfach sein.

Für Ethik gibt es noch keine Regelung bezüglich des Abiturs, weil erst heuer (2000) eine achte Klasse Ethikunterricht hat.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts (Franz BRENTANO) gibt es Philosophieunterricht, Ethikunterricht seit vier Jahren (1996).

Philosophie ist obligatorisches Fach und Wahlpflichtfach, Ethik dagegen Ersatzfach für Religion.

Sowohl im Fach Philosophie wie auch im Fach Ethik werden keine Klausuren geschrieben. Tests sind jedoch seit einiger Zeit möglich, wenn auch nicht vorgeschrieben. Die Entscheidung liegt bei den Lehrkräften und muß den SchülerInnen nachweislich bekannt gegeben werden. Philosophie und Ethik werden nicht alternativ angeboten. Es gibt keine freien Arbeitsgemeinschaften in Philosophie zusätzlich zum obligatorischen Unterricht.

Österreichische Schüler nehmen am nationalen Essay-Wettbewerb und auch an der Internationalen Philosophie-Olympiade teil, zuletzt im Mai 2005 in Warschau.

II. Es gibt verbindliche Lehrpläne für den Philosophieunterricht, ebenso inzwischen auch für den Ethikunterricht. Der Begriff der Verbindlichkeit müsste allerdings geklärt werden, weil die Österreichischen Lehrpläne wohl verbindliche Elemente enthalten, aber auch sehr viele demonstrative Aufzählungen.

Als Unterrichtsgegenstände sind für den Philosophieunterricht eine Einführung in die Eigenart philosophischen Fragens, Erkenntnislehre, Ethik und ein weiteres Teilgebiet nach freier Wahl obligatorisch. Aus dem Rahmenlehrplan wählen der Lehrer oder die Lehrerin den Umfang aus.

Ethik wird in der Regel auf der Grundlage der philosophischen Ethik unterrichtet, aber der Lehrer entscheidet selbst über Inhalt und Denkrichtung seines Unterrichts. Es gibt aber in Österreich Verbotsgesetze, die generell gelten und nicht eigens im Lehrplan angeführt werden müssen. Lehrpläne wurden in den letzten Jahren auch schulautonom erstellt. Der Lehrer hat generell Freiheit in der Auswahl seiner Unterrichtsmethoden. Es gibt also sehr viele verschiedene Methoden. Daher sind viele unterschiedliche Modelle in Anwendung.

Auch den Unterricht auf der Grundlage von Texten entscheiden die LehrerInnen selbst. Die Schüler und Schülerinnen werden nicht an der Auswahl der Unterrichtsgegenstän- de beteiligt.

Die Schülerinnen und Schüler haben an Gymnasien obligatorischen Philosophieunterricht in der achten Klasse. Wenn Sie also ein Gymnasium wählen, haben sie auch Philosophie-unterricht. An den BHS gibt es höchstens ein Freifach Philosophie.

Dazu kommt in den Gymnasien (AHS) das Angebot eines Wahlpflichtfachs „Psychologie, Pädagogik, Philosophie“, das die Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihres zu wählenden Stundenkontingents wählen können.

Ethikunterricht wird verpflichtend, wenn die Schülerinnen und Schüler sich vom Religionsunterricht abmelden. (Meiner Meinung nach ein Verstoß gegen den Verfassungsgrundsatz der Religionsfreiheit [E. Moll]), dies aber nur, wenn die Schule den Ethikunterricht schulautonom eingeführt hat.

Fächerübergreifenden Philosophieunterricht gibt es nur dem Lehrplan nach, aber nicht wirklich.

Bezüglich des Ethikunterrichts besteht noch viel zu wenig Erfahrung.

Der Europagedanke ist ausdrücklich als übergreifende Bildungsdimension im neuesten Lehrplan vom Juli 2000 definiert (im früheren Lehrplan als Teilbereich des Unterrichts- prinzips Politische Bildung), muss also in jedem Fach thematisiert werden. Ausdrücklich genannt ist aber Europa im Unterricht aus „Geschichte und Sozialkunde“ und „Geografie und Wirtschaftskunde“, bzw. in diversen Sprachfächern.

III. Der Philosophieunterricht wird von fachlich qualifizierten Lehrern durchgeführt. Bezüglich des Ethikunterrichts bestehen Zweifel, weil der Ethiklehrer nur einen relativ kurzen Nachhollehrgang absolvieren muss.

Bedingungen für die Qualifikation zum Philosophielehrer am Gymnasium ist ein Studium der Studienrichtung PPP an der Universität.

Für Ethik reicht die Lehrbefähigung in irgend einem Fach und Nachhollehrgang.

Es gibt keine verschiedenen Qualifikationsgrade in der Ausbildung zum Philosophielehrer, ebenso nicht für Ethiklehrer. Das Studium der Philosophie für das Lehramt dauert mindestens neun Semester, meist aber länger, weil auch Psychologie, Pädagogik und ein zweites Fach studiert werden müssen.

Ein eigentliches Studium der Ethik gibt es nicht. Individuelle Versuche, ein solches aufzubauen, scheiterten am Desinteresse der Universität. Bedürfnisse der Schule sind leider kein Thema für die hohen Wissenschaftler. Eine praktische Ausbildung für angehende Philosophielehrer gibt es nur im Rahmen des allgemeinen Unterrichtspraktikums in der Dauer von einem Jahr. Für Ethiklehrer gibt es diese Einrichtung nicht. Es gibt eine Arbeitsgemeinschaft der Philosophielehrer in jedem Bundesland. Ob eine methodisch-didaktische Fortbildung stattfindet, ist nicht bekannt In Tirol werden einzelne Fachvorträge angeboten. Fortbildung für Ethiklehrer ist derzeit noch nicht aktuell, weil alle Bemühungen in die Ausbildung gerichtet sind.

IV. Die Situation, dass Philosophie nur in der achten Klasse in verhältnismäßig geringem Umfang unterrichtet wird und von vielen Schülern als Maturafach gewählt wird, erlaubt eigentlich keine „Experimente“. Wir müssen einfach den bei der Reifeprüfung abzufragenden Stoff den Schülern präsentieren, eventuell etwas diskutieren. Günstiger ist die Situation im Wahlpflichtfach. Aber auch da verlangen die Schüler zunehmend, dass man ihnen das vorgibt, was dann bei der Reifeprüfung gefragt wird.

Positiv zu bewerten ist die Einführung von schulautonomen Lehrplanbestimmungen.

Das ermöglicht engagierten Lehrern, mehr Philosophie in den Unterricht ihrer Schule einzubringen. Ganz positiv finde ich, dass die „religiös-ethisch-philosophische Bildungsdimension“ im Lehrplan 2000 neben „Wissensvermittlung“ und „Kompetenzen“ an dritter Stelle bei den Aufgabenbereichen der Schule steht. Nur diese drei Bereiche sind genannt.

Es erhebt sich jetzt nur die Frage, wie man das umsetzt.

An der Universität Innsbruck erfahren wir trotz Unterstützung durch den Präsidenten des Landesschulrates für Tirol nur Ablehnung.

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